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Aufmerksamkeitsdefizit – Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) gehen meist mit Schwierigkeiten auf mehreren Ebenen einher:
- Bei typischen schulischen Anforderungen wie Stillsitzen, Zuhören, Aufmerksamsein, aber auch bei den Hausaufgaben haben Kinder mit ADHS Probleme, sich angemessen zu konzentrieren oder die Aufmerksamkeit so zu fokussieren, dass sie zu guten Arbeitsergebnissen kommen.
- In der Pause, im Hort oder im Freizeitbereich kommt es wegen des impulsiven, ungestümen Verhaltens oft zu Konflikten mit Gleichaltrigen, jüngeren oder älteren Kindern. Leider ist es gar nicht so selten, dass Kinder mit ADHS ausgesprochen einsam sind, weil sie keine dauerhaften Freundschaften aufbauen können bzw. von anderen gemieden werden. Viele Eltern beklagen dann auch, dass Kinder mit ADHS vorzugsweise Anschluss bei anderen Kindern mit Verhaltensproblemen suchen, was zur Vervielfachung der Schwierigkeiten führen kann.
- Kindern mit ADHS fällt es oft schwer, für selbstverständlich gehaltene Regeln des sozialen Miteinanders zu beachten. So können Standardsituationen wie Einkaufen, Straßenbahn fahren, beim Arzt warten usw. für die Eltern und andere Beteiligte zur Herausforderung und Qual werden.
Diese genannten Schwierigkeiten hat das Kind nicht allein für sich als Individuum, sondern sie treten beinahe ausschließlich in der Interaktion mit anderen Kindern oder Erwachsenen auf.
Deshalb erscheint es naheliegend, auf diese Schwierigkeiten mit einem gruppentherapeutischen Konzept zu antworten.

ADHS-Gruppen in meiner psychotherapeutischen Praxis
In meiner Praxis führe ich regelmäßig verhaltenstherapeutisch orientierte Gruppentherapien für Kinder mit ADHS durch. Die Gruppen werden altershomogen und (soweit bei der vor allem bei Jungen auftretenden Diagnose möglich) gemischtgeschlechtlich zusammen gestellt. Die Indikation für eine Gruppentherapie wird im Rahmen der Einzeldiagnostik gestellt.
Die Diagnosestellung bzgl. ADHS erfolgt in meiner Praxis nach den wissenschaftlich anerkannten und bekannten Standards:
- Ausführliche individuelle Anamneseerhebung;
- Anwendung von symptomorientierten Fragebögen, die von Eltern und Lehrern, gegebenenfalls auch vom Kind selbst ausgefüllt werden (meist Achenbach-Bögen CBCL, TRF, YSR und DISYPS-II);
- Leistungsdiagnostik (meist AID-2 oder HAWIK-IV);
- Aufmerksamkeitsdiagnostik (Verfahren altersabhängig, oft auch computergestützt mit Hilfe des Wiener Testsystems).
- Ergänzende Verfahren, insbesondere bei Komorbidität mit emotionalen Störungen.
Die Gruppentherapien umfassen im Regelfall mindestens 20 Doppelstunden (je 100 Minuten), die wöchentlich durchgeführt werden. Begleitend zur Teilnahme an der Gruppe finden zudem bis zu 5 Einzeltherapien und 5 Angehörigengespräche statt. Eine Verlängerung der Gruppentherapie ist möglich. Die Finanzierung erfolgt zu 100% über die Krankenkassen.

Schwerpunkte, Ziele und Inhalte der Gruppentherapie
- Aufbau sozial angemessenen Verhaltens und Förderung sozialer Kompetenzen durch die gemeinsame Entwicklung von Gruppenregeln, Erleben von Klarheit und liebevoller Konsequenz durch den Gruppenleiter, Rollenspiele mit Videographie.
- Gemeinsame Suche nach Ressourcen und Kompetenzen durch Einsatz kreativer Medien, insbesondere Musizieren auf spontan zugänglichen Instrumenten, aber auch Malen, Spielen, Gestalten mit Knete oder Ton.
- Einüben, an sich selbst mit Hilfe kleiner, überschaubarer wöchentlicher Ziele an sich selbst zu arbeiten. Diese Wochenziele werden in der Gruppe offengelegt und mit den anderen besprochen.
- Lernen, durch Reden Gefühle zum Ausdruck zu bringen und Konflikte alternativ zu lösen, um damit Aggressionen abzubauen.
- Entspannungstraining.

Am Beginn jeder Gruppentherapie steht eine Kennenlernphase. Wichtiger als die Einzelbeziehung zum Therapeuten ist in der Gruppe die sogenannte Gruppenkohärenz. Dies meint, dass die Kinder zueinander Vertrauen aufbauen, offen über vergangene und bestehende Probleme sprechen, Probleme auch in der Gruppe reinszenieren, miteinander Ziele festlegen, vereinbaren, verfolgen und gegenseitig begleiten. Um dieses Vertrauen aufbauen zu können, ist wichtig, sich noch vor Beginn der Gruppentherapie wirklich zu entscheiden, alle Termine zuverlässig und regelmäßig wahrzunehmen. Fehlt auch nur einer, so stört das den Gruppenprozess spürbar. Insofern kommt jedem Gruppenteilnehmer hier auch hohe Verantwortung zu. Eine Gruppenstunde dauert genau 100 Minuten. Zwischendurch gibt es eine kleine Pause von 5 Minuten.
Im Aufbau der Gruppen orientiere ich mich unter anderem an folgenden neueren Konzepten:
- Marburger Verhaltenstraining für Kinder mit ADHS (Krowatschek et al. 2009)
- Baghira-Training für Kinder mit oppositionellem und aggressivem Verhalten (Aebi et al. 2012)

- Attentioner-Training für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen (Jacobs / Petermann 2008)
- Therapieprogramm SELBST (Walter et al. 2007)
- Aufmerksamkeitstraining TIA von Michael Helfer (2016)
- Gruppenmusiktherapie nach Schwabe

Alle Stunden haben einen gleichbleibenden, ritualisierten Aufbau. Die verlässliche Grundstruktur wird für die Kinder wichtig sein und ist bereits selbst ein therapeutischer Wirkfaktor. Feste Bestandteile sind:
- Sprechen über aktuelle Erlebnisse, dabei Aktivierung von Emotionen mit Hilfe von Emotionskarten;
- Aktivierende Übungen zur Förderung der Gruppenkohärenz und -dynamik. Hierbei insbesondere Rückgriff auf musiktherapeutische Techniken;
- Entspannungsübungen (Yoga, ZEN-Meditation);
- Übungen zu Aufmerksamkeit, Konzentration und Ausdauer im kognitiven Bereich;
- Auswertung und Festlegung der Wochenziele
- Offene Spielzeit;
- Abschlussrunde mit Zuteilung der „Punkte“, Stempel oder Aufkleber, die an diesem Tag erreicht wurden, evtl. Erhalten von Belohnungen.

Trotz dieses gleichbleibenden Aufbaus ist jede Stunde anders. Ich gehe nicht strikt nach bestimmten Programmen vor, sondern orientiere mich an der in der jeweiligen Gruppe zum Tragen kommenden momentanen Thematik.

Alle Eltern sollen bei Beginn, in regelmäßigen Abständen zwischendurch und am Ende der Gruppenarbeit Fragebögen ausfüllen, so dass die Effektivität der Gruppenarbeit auch immer überprüft werden kann. Häufig kommt Videotechnik zum Einsatz, um das Geschehen mit den Kindern reflektieren zu können und die eigene Arbeit kritisch reflektieren zu können. Selbstverständlich gebe ich die Videos an niemand anders weiter.
Angehörigengespräche werden gesondert vereinbart.

Anfragen zur Gruppentherapie am besten per Mail oder Telefon (sh. Kontakt)